Der Besuch der alten Dame Inhalt

In der „tragischen Komödie“ besucht die Milliardärin Claire Zachanassian ihren früheren Heimatort Güllen, in dem einst ihr Herz gebrochen wurde. Sie bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Milliarde DM dafür, dass ihr damaliger Liebhaber Alfred Ill für sein Vergehen mit dem Tod bestraft wird.


Ort: Güllen, eine (fiktive) Kleinstadt

Zeit: Gegenwart (das Drama ist 1956 erschienen)

Personen

Die Besucher:

  • Claire Zachanassian - Milliardärin
  • Moby - Claires siebter Ehemann
  • Hoby - Claires achter Ehemann
  • Zoby - Claires neunter Ehemann
  • Boby - Claires Butler
  • Toby & Roby - Claires Sänftenträger
  • Koby & Loby - Blinde Eunuchen

Die Besuchten:

  • Alfred Ill - früherer Geliebter von Claire
  • Seine Frau
  • Seine Tochter
  • Sein Sohn
  • Der Bürgermeister
  • Der Pfarrer
  • Der Lehrer
  • Der Arzt
  • Der Polizist

Ausgangssituation

Ankunft der alten Dame

Die Kleinstadt Güllen hat schon einmal bessere Zeiten gesehen: Sie ist zerfallen, verwahrlost und vollkommen bankrott. Auch für die Einwohner von Güllen ist die Armut allgegenwärtig und die meisten von ihnen leben mittlerweile von Arbeitslosenunterstützung. So richtig erklären kann sich das keiner, denn früher war Güllen eine richtige Kulturstadt – sogar Goethe soll hier einmal übernachtet haben.

Allerdings gibt es für das ärmliche Güllen einen Funken Hoffnung. Die Milliardärin Claire Zachanassian hat ihren Besuch in der Stadt angekündigt. Claire ist in Güllen aufgewachsen, deswegen erhoffen sich die Einwohnerinnen und Einwohner, dass sie sich bei ihrem Besuch dazu bereit erklärt, ihre Heimatstadt finanziell zu unterstützen.

Erster Akt

Der Bürgermeister, der Pfarrer, der Lehrer und der Krämer Alfred Ill begeben sich zu dem schäbigen Bahnhof von Güllen, um den Empfang von Claire Zachanassian zu planen. Die Stadt möchte sich nämlich von ihrer besten Seite präsentieren. Es sind Reden geplant, der gemischte Chor soll singen und der örtliche Turnverein möchte eine Pyramide präsentieren. Weil Alfred Ill vor 45 Jahren eine Liebesbeziehung mit Claire hatte, hoffen die anderen, dass er an diese schöne Zeit anknüpfen und sie von einer großzügigen Spende überzeugen kann.

Doch während die Männer noch mitten im Planen sind, passiert auf einmal etwas Unerwartetes: Der Rasende Roland, ein Schnellzug, der eigentlich schon längst nicht mehr in Güllen hält, kommt plötzlich mit quietschenden Bremsen am Bahnhof zum Stehen. Aus dem Zug steigt Claire Zachanassian! Es stellt sich heraus, dass die alte Milliardärin die Notbremse gezogen hat, um nicht den langsameren Bummelzug nehmen zu müssen, der sonst nur in Güllen hält.

Das kleine Begrüßungskomitee ist vollkommen schockiert, denn nichts von den Vorbereitungen für den großen Empfang ist fertig. Mehr schlecht als recht versuchen die Güllener eine Begrüßung auf die Schnelle zu improvisieren, aber die große geplante Show scheitert gewaltig.

Claire Zachanassian kommt am Bahnhof in Güllen an. Der Bürgermeister, der Pfarrer, der Lehrer und Alfred Ill sind schockiert, weil sie noch nicht so früh mit der Ankunft gerechnet haben.

Claire nimmt es gelassen und stellt ihren Tross von Dienstleuten vor, der sie auf der Reise nach Güllen begleitet: ihren persönlichen Butler Boby, die kaugummikauenden Muskelpakete Roby und Toby, die blinden, kleinen Eunuchen Koby und Loby und ihr siebter Ehemann Moby.

Nach der Begrüßung wird Claire von Roby und Toby in einer Sänfte zum Wirtshaus der Stadt getragen. Hinter ihr folgt ihr gesamtes Gepäck, zu dem merkwürdigerweise auch ein leerer, schwarzer Sarg gehört.

Gespräch im Konradsweilerwald

Nachdem sich Claire in dem Wirtshaus eingerichtet hat, lässt sie sich in Begleitung von Alfred Ill zu den Orten ihrer Jugend bringen. Dazu gehört der Konradsweilerwald, in den sich Claire und Alfred Ill damals oft zurückgezogen hatten.

In einem Gespräch der beiden erfährt man einiges über ihre gemeinsame Geschichte: Claire, die damals noch Klara Wäscher hieß, hatte ein Kind von Alfred Ill erwartet, aber er stritt dies ab und bestach zwei Zeugen, damit er die wohlhabende Kaufmannstochter Mathilde heiraten konnte. Die Leute in Güllen verachteten Claire für ihre angeblich falschen Vorwürfe und sie war gezwungen, hochschwanger ihre Heimatstadt zu verlassen. Sie arbeitete in Hamburg als Prostituierte und lernte dort den armenischen Öl-Unternehmer Zachanassian kennen, den sie schließlich heiratete. Weitere Heiraten nach Zachanassians Tod machten sie dann zur reichsten Frau der Welt.

Das unmoralische Angebot

Zurück im Wirtshaus erwartet Claire schließlich die große Begrüßungsfeier, die eigentlich schon am Bahnhof geplant gewesen war – ganz Güllen ist da! Bei der Dankesrede enthüllt Claire schließlich, dass sie ihrer Heimatstadt tatsächlich eine beträchtliche Summe schenken will: 500 Millionen der Stadt und 500 Millionen verteilt auf alle Familien. Aber nur unter einer Bedingung: Sie möchte sich dafür Gerechtigkeit kaufen.

Claire verkündet ihr Angebot: 500 Millionen der Stadt und 500 Millionen verteilt auf alle Familien.

Die Güllener sind verwundert und verstehen nicht ganz, was die alte Milliardärin damit meint. Sie offenbart, dass es sich bei ihrem Butler Boby um den ehemaligen Oberrichter Hofer handelt, der damals die Vaterschaftsklage gegen Alfred Ill verhandelt hatte. Koby und Loby wiederum sind die beiden Zeugen, die Alfred Ill damals bestochen hatte. Als Strafe ließ Claire sie kastrieren und blenden.

Alfred Ill erwidert, dass das Ganze nur alte, verrückte Geschichten seien, die längst verjährt sind. Doch Claire geht noch weiter: Damit das Unrecht, das ihr von der Güllener Bevölkerung angetan wurde, wiedergutgemacht werde, werden die Leute das Geld nur erhalten, wenn sie Alfred Ill töten und seine Leiche vor ihre Füße legen.

Die versammelten Leute sind schockiert und lehnen ihr Angebot empört ab. Der Bürgermeister protestiert, dass sie lieber arm denn blutbefleckt bleiben wollen, woraufhin er großen Beifall erhält. Doch Claire antwortet lediglich: „Ich warte.“

Zweiter Akt

Neues Konsumverhalten der Güllener

In seinem kleinen Krämerladen schaut Alfred Ill besorgt zu, wie Roby und Toby draußen Blumenkränze, wie zu einer Beerdigung, zum Wirtshaus tragen. Trotzdem will sich Alfred Ill von Claire Zachanassians Angebot nicht einschüchtern lassen. Er ist fest davon überzeugt, dass Güllen zu ihm stehen wird. Auch seine Kundschaft sichert ihm zu, dass er der beliebteste Mann in Güllen sei und sich keine Sorgen machen müsse.

Nebenbei erfährt der Leser, dass Claire sich mittlerweile von ihrem siebten Ehemann getrennt und gestern mit Ehemann Nummer 8 (Hoby) verlobt hat.

Eine Sache macht Alfred Ill dann aber doch ziemlich stutzig: Alle Kunden im Laden kaufen mehr und bessere Ware als sonst. Teure Zigaretten, edler Cognac, feine Schokolade... Als Alfred Ill auch noch bemerkt, dass die Leute neue, gelbe Schuhe tragen, bekommt er es mit der Angst zu tun. Er begreift, dass alle Güllener schon Schulden gemacht haben, weil sie davon ausgehen, dass ihn irgendjemand schlussendlich töten wird.

Alfred Ill beim Polizisten

Panisch rennt Alfred Ill zur Polizeistation und verlangt, dass Claire wegen Anstiftung zum Mord verhaftet wird. Der Polizist, der selbst neue, gelbe Schuhe trägt, wimmelt ihn ab und meint, dass er nur einschreiten könne, wenn das Angebot ernst gemeint wäre. Eine Milliarde für Alfred Ills Tod sei aber ja nun wirklich lächerlich.

Dann muss er auch schon los, weil der schwarze Panther von Claire entlaufen sei und er ihn jagen müsse.

Alfred Ill beim Bürgermeister

Alfred Ill ist nicht überzeugt und geht weiter zum Rathaus. Er fordert beim Bürgermeister Schutz der Behörde, aber auch dieser weist Alfred Ills Befürchtungen als grundlos zurück. Man verurteile nach wie vor den Vorschlag der Dame und bringe Alfred Ill die gleiche Hochachtung und Freundschaft entgegen wie zuvor.

Als Alfred Ill jedoch erfährt, dass der Bürgermeister bereits einen Neubau des Rathauses plant, wirft er ihm vor, dass er ihn bereits zum Tode verurteilt habe.

Alfred Ill beim Pfarrer

Hilfesuchend wendet sich Alfred Ill schließlich an den Pfarrer. Dieser versucht ihn zunächst zu beruhigen, doch dann fällt seine Maske. Laut ruft er: „Flieh! Wir sind schwach! Führe uns nicht in Versuchung, indem du bleibst!“

Dann fallen draußen plötzlich zwei Schüsse. Es stellt sich heraus, dass Claires entlaufener Panther von den Güllenern erschossen wurde – und zwar direkt vor Alfred Ills Laden.

Der Fluchtversuch

Alfred Ill bezieht die Erschießung des schwarzen Panthers auf sich selbst und beherzigt den Rat des Pfarrers. Er will schnellstmöglich aus Güllen verschwinden und nach Australien auswandern.

Als er sich aber mit seinem Koffer zum Bahnhof begibt, begleiten ihn die Güllener. Sie geben sich zwar harmlos und wünschen ihm eine gute Reise, tatsächlich kesseln sie ihn aber immer enger ein.

Als der Zug ankommt, ist Alfred Ill aus Angst wie gelähmt und glaubt, dass einer ihn zurückhalten und töten wird, sobald er den Zug besteigt. Schließlich fährt der Zug ohne ihn ab und Alfred Ill bricht mit den Worten „Ich bin verloren!“ zusammen.

Alfred Ill wird am Bahnhof von den Güllenern bedrängt. Er kann nicht in den Zug steigen und meint: Ich bin verloren!

Dritter Akt

Claires Racheplan

Claire Zachanassian erholt sich in der Peterschen Scheune – eine alte Hütte, in der sie und Alfred Ill sich früher oft getroffen hatten – von den Strapazen des Tages. Sie hat heute erst ihren achten Mann geheiratet und sich kurz danach auch schon wieder von ihm getrennt. Ehemann Nummer 9 (Zoby) ist bereits auf dem Weg nach Güllen.

Sie wird von dem Lehrer und dem Arzt aufgesucht. Sie gestehen, dass die Güllener sich hoffnungslos verschuldet haben und wollen ihr nun einen Deal vorschlagen: Die Stadt brauche nämlich gar nicht eine Milliarde, hundert Millionen würden schon reichen. Für dieses Geld könnten sie einige Gebäude in Güllen aufkaufen, sie sanieren und letztendlich sogar Profit damit machen. Auch Alfred Ill müsste dann nicht getötet werden – quasi also eine Win-Win-Situation.

Doch Claire erwidert, dass es da einen Haken an der Sache gäbe: Die ganzen Gebäude gehören ihr schon längst. Jede Fabrik, jedes Haus, jede Straße ließ Claire von ihren Agenten aufkaufen und alles stilllegen. Alles nur, weil sie Rache an der Stadt nehmen will, die sie damals hochschwanger verjagt hatte. Jetzt, wo sie wieder in Güllen ist, hat sich das Blatt gewendet: Jetzt stellt sie die Bedingungen.

Der Arzt und der Lehrer sind schockiert und versuchen sie umzustimmen, aber Claire bleibt uneinsichtig.

Alfred Ill erkennt seine Schuld an

Mittlerweile sind Presseleute in der Stadt angekommen und wollen einen Bericht über den Besuch von Claire Zachanassian und ihrer früheren Liebesbeziehung zu Alfred Ill schreiben. Die Güllener haben jedoch kein Interesse daran, dass die Außenwelt von dem Angebot der Milliardärin erfährt und verschweigen die wahren Umstände ihres Besuchs.

Alfred Ill selbst hat sich zurückgezogen und geht seit Tagen in seinem Zimmer auf und ab.

Als der Lehrer, der sich mittlerweile regelmäßig betrinkt, der Presse die Wahrheit erzählen will, wird er nicht nur von allen Güllenern aufgehalten, sondern auch von Alfred Ill selbst, der plötzlich auftaucht. Alfred Ill lässt sich sogar dazu verleiten, für einige Fotos zu posieren.

Nachdem die Presseleute wieder den Laden verlassen haben, redet der Lehrer auf Alfred Ill ein, dass man ihn töten werde, wenn er jetzt nicht endlich anfange zu kämpfen. Doch Alfred Ill hat eine deutliche innere Wandlung vollzogen: Er gibt sich mittlerweile die Schuld an Claires Lebensweg und möchte nicht mehr kämpfen. Wenn man ihn dafür tötet, dann sei es so.

Der Bürgermeister fordert Alfred Ill zum Selbstmord auf

Kurz darauf erscheint der Bürgermeister mit einem geladenen Gewehr. Er lädt Alfred Ill zur Gemeindeversammlung heute Abend ein, bei der über sein Vergehen geurteilt werden soll.

Zusätzlich bietet er ihm auch eine andere Möglichkeit an: Er könne auch einfach das Gewehr nutzen und seinem Leben jetzt schon ein Ende bereiten – das sei der deutlich elegantere Weg.

Gequält lehnt Alfred Ill dieses Angebot ab, erklärt sich aber dazu bereit, das Urteil der Gemeindeversammlung widerstandslos hinzunehmen.

Alfred Ill verabschiedet sich von seiner Familie

Anschließend unternimmt Alfred Ill einen Ausflug mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn in dessen nagelneuem Auto. Wirklich ernst nehmen die drei seine Ängste nicht, seine Frau bezeichnet ihn sogar als hysterisch.

Schließlich trennen sich die vier. Alfred Ill möchte zu Fuß zur Gemeindeversammlung gehen, während seine Familie weiter zu einem Kino fährt.

Letztes Gespräch zwischen Claire und Alfred Ill

Auf dem Weg durch den Konradsweilerwald trifft Alfred Ill auf Claire und es kommt zu einem letzten Gespräch der beiden. Claire erzählt von ihrem gemeinsamen Kind, das bereits im Alter von einem Jahr gestorben ist.

Schließlich verabschiedet sich Alfred Ill schweren Herzens von Claire – mit dem Wissen, dass er heute Abend sterben wird. Claire teilt ihm mit, dass sie für seinen Sarg bereits ein Mausoleum auf der Insel Capri errichtet habe.

Alfred Ills Ermordung

Etwas später ist Alfred Ill bei der Gemeindeversammlung eingetroffen. Unter Anwesenheit der Presseleute stimmen die Güllener öffentlich darüber ab, ob Claires Angebot angenommen werden soll. Alle Güllener stimmen zu – mit Ausnahme von Alfred Ill selbst.

Die Presse hat dabei keine Ahnung, dass die Stadtbewohner über Alfred Ills Tod abstimmen. Sie glauben, dass es um die Annahme der Claire-Zachanassian-Stiftung gehe.

Dann werden die Presseleute aus dem Raum geschickt, die Türen versperrt und der Saal verdunkelt. Alfred Ill soll aufstehen und in eine aus den Bürgern gebildete Gasse treten. Als Alfred Ill dies tut, verwandelt sich die Gasse in ein Menschenknäuel – und als sie sich wieder öffnet, liegt Alfred Ill tot auf dem Boden.

Alfred Ill liegt tot auf dem Boden.

Dann kommen die Presseleute wieder herein. Der Arzt stellt „Herzschlag“ fest, der Bürgermeister ergänzt „Tod aus Freude“. Als Claire erscheint und den toten Alfred Ill in dem schwarzen Sarg abtransportieren lässt, erhalten die Güllener wie abgesprochen einen Scheck von einer Milliarde.

Abreise der alten Dame

Die Güllener begleiten Claire, ihr Gefolge und den Sarg von Alfred Ill zum frisch renovierten Bahnhof und preisen sie als Wohltäterin, die der Stadt endlich Wohlstand gebracht habe.

Freudig rufen sie zum Schluss: „Nacht bleibe fern. Verdunkele nimmermehr unsere Stadt, die neu erstandene prächtige, damit wir das Glückliche glücklich genießen.“

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