Neighbors Against Irresponsible Logging (NAIL)

Autor
Rebecca Moore, NAIL
Organisation
Neighbors Against Irresponsible Logging (NAIL)
Verwendete Tools
Google Earth, Google Earth Pro

Die Gemeindegruppe Neighbors Against Irresponsible Logging (NAIL) in den kalifornischen Santa Cruz Mountains wurde gegründet, nachdem die Einwohner einen Rechtsbescheid über einen vorläufigen Holzeinschlagsplan erhielten. Er umfasste unter anderem die folgende Schwarz-Weiß-Karte, die von einem lokalen Holzfällerunternehmen erstellt wurde. Versendet hat sie das Versorgungsunternehmen San Jose Water Company, dem in der Region ein Wassereinzugsgebiet von etwa 2.400 Hektar gehört. Über das Wassereinzugsgebiet werden nicht nur die Bewohner in den Bergen, sondern auch mehr als 100.000 Menschen im Silicon Valley mit Trinkwasser versorgt. Außerdem befindet sich hier der größte verbliebene Bestand an Redwood-Wäldern an der Küste.

Karte, die die Einwohner der Santa Cruz Mountains erhielten

Die Karte sorgte bei zahlreichen Anwohnern für Verwirrung, denn Straßen, topografische Höhenlinien und das Planungsgebiet waren nicht eindeutig gekennzeichnet. Sie war so unübersichtlich, dass viele den Bescheid einfach entsorgten. NAIL-Mitglied Rebecca Moore wollte der Gemeinde die potenziellen Ausmaße des Plans vor Augen führen. Dazu bildete sie die zentralen Aspekte des Vorschlags auf 3D-Satellitenbildern mit hoher Auflösung in Google Earth ab. Moores Präsentation führte zu einem Meinungsumschwung in der Gemeinde und bei den Politikern. Letztendlich wurde der Holzeinschlagsplan nicht genehmigt.

Vorgehensweise

Moore war es wichtig, eine technisch genaue Darstellung in Google Earth zu erstellen. Deshalb zeichnete sie die Abgrenzungen des Holzeinschlagsgebiets nicht von Hand. Stattdessen besorgte sie sich Grundstücksdaten von der zuständigen Planungsabteilung im Shapefile-Format (.shp) und importierte sie mit Google Earth Pro in Google Earth. Dort bearbeitete Moore die Eigenschaften der Grundstücksformen und färbte sie halbtransparent rot ein. Mit Ortsmarkierungen kennzeichnete sie bestimmte Elemente des Plans, z. B. die vorgesehenen Landeplätze für Hubschrauber in der Nähe von Schulen, Kindertagesstätten und Wohnhäusern sowie die Stellen, an denen die Versorgungsunternehmen Trinkwasser aus dem Creek entnehmen. Außerdem fügte sie unter Angabe von Geodaten Fotos von alten Redwood-Bäumen ein, die gefällt werden könnten, sowie Bilder von gesichteten Wildtieren, darunter von Fischadlern und Biebern. Dazu bearbeitete sie das Infofenster der Ortsmarkierungen.

Mit dem Tool Add Path zeichnete Moore schließlich noch einen unsichtbaren Pfad entlang des Los Gatos Creek Canyon, um die Ausmaße des knapp 10 km langen und über 400 Hektar großen Holzeinschlagsgebiets von Anfang bis Ende zu markieren. Nutzer der KML-Datei können in Google Earth eine Tour auf diesem Pfad starten und virtuell den Los Gatos Creek Canyon überfliegen, um die problematischen Aspekte des Plans anschaulich dargestellt zu sehen.

Moore erstellte diese KML-Datei vollständig im Google Earth-Client, indem sie zuerst die Grundstücksdaten importierte und dann die einfachen Tools nutzte. Programmieren war nicht erforderlich – wenn man davon absieht, dass sie das Display-Overlay des NAIL-Bumper-Stickers mit einfachem KML erstellte. Nach nur einem Wochenende war die KML-Datei fertig.

Beim ersten Gemeindetreffen von NAIL präsentierte Moore den virtuellen Flug über das Gebiet des Holzeinschlagsplans. Unter anderem waren die steilen und engen Bergstraßen zu sehen, die beim Holztransport von Dutzenden 40 Tonnen schweren Lastwagen befahren werden würden. Sie müssten dazu mehr als 30 nicht einsehbare Kurven passieren – die auf dem Schulweg vieler Kinder liegen. Bei der Präsentation konnten virtuell sogar die jeweiligen Standorte angeflogen werden und Fotos von alten Redwood-Bäumen aufgerufen werden, denen die Abholzung drohte.

Jeder kann sich den virtuellen Flug über das Gebiet des Holzeinschlagsplans in Google Earth ansehen.

Ich dachte, ich sei gut informiert über den von SJWC gestellten Genehmigungsantrag für die Abholzung des Wassereinzugsgebiets oberhalb von Lexington. Doch als ich die Google Earth-Präsentation von Rebecca Moore sah, traf mich fast der Schlag. Die dreidimensionale Darstellung bot einen faszinierenden Blick aus der Vogelperspektive auf das ganze Ausmaß der Abholzung.

Leserbrief der Anwohnerin Lisa Sgarlato an die "Mountain Network News"

Ergebnis

Der virtuelle Flug über die Gegend erstaunte alle Anwesenden. Plötzlich äußerten viele Teilnehmer Anliegen, Fragen und Bedenken. Die Gemeinde präsentierte das Vorhaben mit Google Earth interaktiv, um verschiedene Gebiete heranzuzoomen und genau zu betrachten. Moore musste den virtuellen Flug an diesem Tag zwei weitere Male zeigen. Inzwischen hat sie ihn mehr als ein Dutzend Mal bei erneuten Gemeindetreffen sowie vielen Organisationen und Einzelpersonen präsentiert. Dazu zählen die kalifornische Abgeordnete Ira Ruskin, das Santa Clara County Board of Supervisors, das San Jose Mercury News Editorial Board und der frühere US-Vizepräsident Al Gore.

Gemeindemitglieder baten Moore, die KML-Datei zu veröffentlichen, damit sie selbst den Plan analysieren konnten. Außerdem erstellte Moore eine vereinfachte Videoversion. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Ashbridge vom Google Earth-Team entwickelte sie ein 3D-SketchUp-Modell von einem Hubschrauber, der einen Redwood-Stamm aus dem Canyon transportiert und dabei eine mögliche Flugroute über mehrere Schulen nimmt. Moore importierte Daten aus der California Natural Diversity Database, die Sichtungen von kalifornischen Rotbeinfröschen im Los Gatos Creek Canyon belegten. Damit wollte sie die im Plan aufgeführte Behauptung widerlegen, dass es in dem Wassereinzugsgebiet keine bedrohten Arten gebe. Andere Gemeindemitglieder steuerten Informationen und Fotos bei, z. B. das Bild von NAIL-Maskottchen "Biber Charlie", dem "verantwortungsvollen Holzfäller".

NAIL-Maskottchen "Biber Charlie", der "verantwortungsvolle Holzfäller"

Zwei Jahre später lehnte das California Department of Forestry den Holzeinschlagsplan als unzulässig ab. Moores Pionierarbeit war ein Sieg für den Umweltschutz. Das Beispiel zeigt, wie Gemeindeangelegenheiten mit Google Earth der Öffentlichkeit verständlich dargestellt und so tatsächlich Veränderungen verhindert oder durchgesetzt werden können.

Neben dem unermüdlichen Einsatz vieler Einwohner war Google Earth ein wichtiger Faktor für den Erfolg dieser Grassroot-Initiative. Die Gemeinde erhielt so viel mehr Kontext, um den Holzeinschlagsplan zu analysieren und zu bewerten. Potenzielle problematische Aspekte in Bezug auf Bebauung, Topografie sowie natürliche und von Menschenhand geschaffene Landschaftsmerkmale konnten durch den Vergleich der echten Bilder und des 3D-Geländes mit dem Plan verdeutlicht werden. Dank dieser und weiterer Untersuchungen konnte NAIL eindeutig auf die Probleme des Plans hinweisen. Dazu gehörten etwa die negativen Auswirkungen auf die Wasserqualität, die erhöhte Brandgefahr, die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie Umweltschäden im Bereich des Redwood-Waldbestands und Wassereinzugsgebiets.

Durch Google Earth wurde den Anwohnern das tatsächliche Ausmaß des Plans vor Augen geführt, woraufhin die Gemeinde beschloss, dagegen vorzugehen. Nach der Präsentation des virtuellen Flugs über das Gebiet fühlten sich viele Einwohner wesentlich besser über die Auswirkungen des Holzeinschlagsplans informiert. Die Gemeinde reagierte, indem sie qualifizierte Berater hinzuzog und den Behörden ihre Einwände vortrug.

Die von NAIL mit Google Earth erstellte 3D-Animation war die erste, die aus Umweltschutzgründen entworfen wurde. Sie bekam große mediale Aufmerksamkeit in den Lokalnachrichten im Fernsehen und im National Public Radio. Auch viele Zeitungen und Blogs beschäftigten sich mit dem Thema, z. B. das Wall Street Journal, der San Francisco Chronicle, das Sierra Club Magazine und das Common Ground Magazine. Das umfangreiche Medienecho führte dazu, dass sich Menschen aus allen Teilen des Landes engagierten.

Der virtuelle Flug war eine beeindruckende Präsentation. Die Organisation NAIL bewies damit, dass die technisch versierten Mitglieder ihre Anliegen mit Hightech-Tools eindrucksvoll darstellen und Argumente stichhaltig belegen können. Die KML-Datei wurde mittlerweile von anderen Waldschützern aus aller Welt übernommen und für die jeweiligen Projekte angepasst. Ein Beispiel:

Von: Joshua Davis
Gesendet: Donnerstag, 19. Januar 2006, 11:45
An: Rebecca Moore
Betreff: Waldschutz in Minnesota

Hallo Rebecca,
ich koordiniere das ehrenamtliche Forest Watch-Programm in Minnesota. Wir versuchen, die Holzeinschlagspläne in unserer Region, aber auch landesweit zu erfassen und gegebenenfalls Einfluss darauf zu nehmen. Euer Projekt hat uns echt begeistert. Wir möchten etwas Ähnliches auf die Beine stellen. Einige unserer ehrenamtlichen Helfer kennen sich mit GIS gut aus und wissen auch, wie sie Ebenen in Google Earth importieren können. Ich nutze das Programm jetzt seit sechs Monaten für unsere Kampagne, doch dein virtueller Flug ist noch viel besser für die öffentliche Aufklärung geeignet. Wir hoffen, bis Juli eine eigene Präsentation erstellt zu haben.

Viele Grüße
Joshua Davis
Conservation Organizer bei Sierra Club North Star Chapter

3D-SketchUp-Modell eines Hubschraubers mit Holzladung im Wassereinzugsgebiet von Los Gatos Creek